Tag 251: Freitag, 20. November 2020

Federleicht

Neulich habe ich in einer Kirche mal wieder einen gesehen – einen Flügel. Und zwar: Keinen Konzertflügel, sondern einen Flügel. Meinen ersten Kirchen-Flügel habe ich während meiner Ausbildung in der JVA gesehen. Dort stand der Flügel für Freiheit ...

 

Und dafür steht er auch für mich: Freiheit, selbst in einer scheinbar unfreien Situation. Und für ein Getragen-Sein, selbst dort, wo meine eigenen Füße mich kaum noch tragen. Ein Flügel verleiht mir Flügel …

… manche Worte können das auch – mir Flügel verleihen. So wie diese Zeilen:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir …
Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. (Psalm 139)

Wie auf Flügeln getragen kommen diesese Worte zu mir – wenn ich sie höre, wenn ich sie spreche. Worte, die meiner Hoffnung Flügel verleihen.

Pfarrerin Jasmin Coenen, Albersweiler
(Foto: Simultankirche St. Georg, Wachenheim)